Der Fürst lässt bitten, Stäfa lässt grüssen!
Der FC Stäfa kehrt von seinem ersten internationalen Auftritt mit drei verdienten Punkten aus dem Fürstentum Liechtenstein an den Zürichsee zurück. Dank einer engagierten und konzentrierten Mannschaftsleistung bezwingen die Seebuben den FC Balzers mit 2:1. Kohler und Schmitt sorgten mit ihren Treffern in der zweiten Halbzeit für die Entscheidung. Der späte Anschlusstreffer von Degen änderte am Verdikt nichts mehr. Damit bestätigt der Aufsteiger seine bislang makellose Auswärtsbilanz und belegt aktuell den hervorragenden dritten Tabellenrang.
Mit dem FC Balzers stand an diesem regnerischen Samstag ein durchaus besonderer Verein auf dem Programm. In den vergangenen Jahren pendelte die Mannschaft zwischen der 1. Liga und der 2. Liga interregional hin und her. 2024 verpasste man den erneuten Aufstieg einzig aufgrund des Strafpunktesaldos. Aktuell stehen zahlreiche liechtensteinische Nationalspieler im Kader. Das Team trainiert 4x in der Woche, also doppelt so viel wie die Stäfner. Was einmal mehr die fast schon philosophische Frage des Grenznutzens einer zusätzlichen Trainingseinheit aufbringt.
Noch bemerkenswerter ist allerdings die internationale Bekanntheit des Vereins. Der FC Balzers ist nämlich ein erstaunliches Social Media Phänomen. Dank dem Aufruf eines argentinischen Influencers explodierte die Zahl der Instagram Follower um den Jahreswechsel 2024/25 auf über 400'000. Dagegen nahmen sich die damals rund 256'000 Follower des FC Basel geradezu bescheiden aus. Nun denn. Follower bringen Publizität, Likes und vielleicht auch ein paar Sponsoren. Meisterschaftspunkte hingegen werden nach wie vor im Schweisse des Angesichts auf dem Rasen erkämpft. Und gekämpft hat die Stäfner Elf an diesem Nachmittag vorbildlich.
Die ernüchternde Niederlage gegen den FC Ruggell eine Woche zuvor nagte offensichtlich am Selbstverständnis der Elmer Elf. Entsprechend simpel fiel die Vorgabe aus: Nicht 90 Prozent, nicht 98 Prozent Engagement. Heute zählen 100 Prozent. Mindestens. Und die Botschaft war angekommen. In den ersten 30 Minuten bekamen die Zuschauer eine überzeugende Vorstellung der Gäste vom Zürichsee zu sehen. Beide Mannschaften bemühten sich um einen gepflegten Spielaufbau und wollten das Geschehen mit dem Ball am Fuss kontrollieren. Stäfa gelang dies zunächst besser. Die Seebuben kombinierten gefällig, gewannen wichtige Zweikämpfe und erspielten sich durchaus Möglichkeiten zur Führung.
Gegen Ende der ersten Halbzeit übernahm dann Balzers zunehmend das Zepter und kam seinerseits zu guten Gelegenheiten. Doch Brecher im Stäfner Tor hatte etwas dagegen und machte alles zunichte, was in Richtung seines Gehäuses kam. So ging es mit einem 0:0 in die Kabinen. Ein Resultat, das dem Gezeigten durchaus entsprach, auch wenn der sogenannte Expected Goals Wert, kurz xG, wohl leichte Vorteile für Stäfa ausgewiesen hätte. Aber bekanntlich werden Fussballspiele nicht mit statistischen Erwartungswerten entschieden.
Nach dem Pausentee übernahm Stäfa erneut die Kontrolle über das Geschehen. Vorerst allerdings ohne zählbaren Ertrag. Dazu brauchte es einen Angriff der Marke «mustergültig». Geduldig liessen die Stäfner den Ball rund um den gegnerischen Strafraum zirkulieren. Dann ging es plötzlich schnell. Widmer brachte eine scharfe Hereingabe in die Gefahrenzone und legte damit Kohler den Ball praktisch pfannenfertig vor. Dieser liess sich nicht zweimal bitten und schob zur verdienten Stäfner Führung ein.
Nun nahm die Partie richtig Fahrt auf. Balzers musste die defensiven Reihen öffnen und Stäfa konnte sich auf jene Disziplin konzentrieren, die der Elmer Elf besonders liegt: kompakt stehen, den Gegner kommen lassen und bei Ballgewinn blitzschnell umschalten.
Auch das zweite Stäfner Tor war das Resultat eines zügig vorgetragenen Angriffs. An dessen Ende stand ein langer Ball von Erne. Saethre liess das Leder in bester Schlitzohrmanier passieren und düpierte damit die Balzner Hintermannschaft. Am zweiten Pfosten lauerte Schmitt, der keine Mühe bekundete, zum 2:0 einzuschieben.
Die Schlussviertelstunde moderierte Stäfa anschliessend weitgehend souverän über die Zeit. Mehr noch: Bei etwas mehr Konsequenz im Abschluss hätte das Skore durchaus noch höher ausfallen können. Balzers bemühte sich zwar redlich, fand aber kaum mehr Mittel, um die gut organisierte Stäfner Defensive ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Der späte Anschlusstreffer von Degen im Anschluss an einen Eckball war zwar durchaus sehenswert, wirkte in seiner Entstehung allerdings etwas zufällig. Ob der Torschütze selbst genau erklären könnte, wie der Ball den Weg ins Netz fand, darf zumindest bezweifelt werden. Sei es drum: Schön war das Tor allemal. Und plötzlich keimte im Ländle doch noch einmal Hoffnung auf. Doch diese währte nur kurz. Nach 94 Minuten beendete der umsichtig leitende Schiedsrichter die Partie. Die social media likes bleiben im Ländle, die Punkte gehen nach Stäfa.
Der zwölfte Mann reiste mit der Bahn an
Apropos Anhang. Was die Fans rund um den «Scharfe Egge, FC Stäfa 12. Maa» an diesem Nachmittag boten, verdient eine besondere Erwähnung. Mit Zug und Bus waren sie ins Fürstentum Liechtenstein gereist, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Schon beim Aufwärmen war die Stäfner Trommel von weither zu hören. Während der Partie sorgten Gesänge und ebenso würzige wie lautstarke, megafonverstärkte Kommentare für eine Stimmung, die man in Balzers wohl kaum kannte. Gerüchteweise ging dem Buvettenwagen nach der Pause sogar das Bier aus. Ob dies nun der Trinkfestigkeit der Stäfner Anhängerschaft oder der mangelhaften Beschaffungsplanung des Wirts zuzuschreiben war, dürfte sich wohl nie abschliessend klären lassen. Sicher ist nur: Das versiegen des Zapfhahns änderte nichts an der der Unterstützung der Mannschaft.
Fazit: Unangenehm gut
Die Mischung aus beinharten, nüchternen Verteidigern, unermüdlichen Dauerläufern im Mittelfeld und Stürmern, die man besser keine Sekunde aus den Augen lässt, macht aus der Frohberg Elf einen äusserst unangenehmen Gegner. Das liegt weniger an spielerischer Zauberei als vielmehr an einer bemerkenswerten Geschlossenheit, einer klaren Spielidee und der Bereitschaft, füreinander auch jene Meter zu laufen, die auf keiner Statistik besonders gut aussehen. Um das zu verinnerlichen reichen offensichtlich auch 2 intensive Trainingseinheiten in der Woche.
Balzers: 250 Zuschauer
FC Balzers - FC Stäfa 1865 1:2
Tore: 63. Kohler 0:1; 70. Schmitt, 87. Degen 1:2
Stäfa: Brecher, Berger, Eichenberger, Zucco (88. Wetter), Widmer, Kohler (74. Carvalho), Erne (90. Dietrich), Lederer, Schmitt, Kelterborn (80. Sommer), Ruckstuhl (67. Saethre)
Bemerkungen:
Stäfa ohne: Krammer, Texeira, Migliaretti, Rasonyi (alle rekonvaleszent), Revel, Pfammater Reichling (abwesend)
(mk)
