19.04.2026

Der FC Stäfa holt sich im Heslibach drei hochverdiente Punkte und nimmt sie ohne Umweg mit auf den Frohberg. Beim 5:2-Auswärtssieg im Seederby liess die Elmer Elf von der ersten bis zur letzten Minute kaum Zweifel daran, wer an diesem Samstagabend das bessere Team war. Küsnacht, das sich trotz prekärer Tabellenlage zuletzt im leichten Aufwind gezeigt hatte, blieb über weite Strecken chancenlos.
In den 80er und 90er Jahren waren Partien zwischen Stäfa und Küsnacht so etwas wie der Clasico am See. Das Derby schlechthin in der 1. Liga zwischen den beiden mit Abstand besten Clubs am rechten Zürichsee. Mannschaften wie der FC Herrliberg, die heute vorne mitspielen, dümpelten damals noch irgendwo zwischen Vereinsgründung und der 4. Liga herum. Damals waren diese Duelle enge Kisten, heiss umkämpft, emotional und oft auf Messers Schneide. An diesem milden Samstagabend im Heslibach war davon nur noch wenig zu spüren. Das Derby lebt zwar im Namen weiter, auf dem Platz aber war der Unterschied diesmal zu deutlich, um von einem offenen Schlagabtausch zu sprechen.
Die Partie begann so, wie man es als Stäfner gerne sieht und als Küsnachter am liebsten wieder rechtsumkehrt machen würde um zu Hause Kreuzworträtsel zu lösen. Erste Minute, erster sauber vorgetragener Angriff, erstes Tor. Texeira und Erne kombinierten sich auf der linken Seite mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit durch, als hätten sie das schon den ganzen Nachmittag geprobt. Erne blieb vor dem Torhüter cool und lobte den Ball elegant zur frühen Führung ins Netz. 0:1, und das Spiel war noch kaum richtig angepfiffen. Stäfa blieb konzentriert und befolgten damit das, was Coach Elmer vor der Partie gefordert hatte. Er hatte das Spiel als Mentalitätsspiel deklariert, in dem keine Geschenke verteilt werden dürfen.
Jeder, der den Lokalfussball kennt, weiss: Tabellenlagen gewinnen keine Spiele. Favoritenrollen schon gar nicht. Und wenn jemand daran zweifelt, darf man sich in Stäfa gerne an die bittere Niederlage der letzten Saison gegen das Schlusslicht Töss erinnern. Gerade deshalb war der seriöse Beginn diesmal umso erfreulicher. Richtigerweise schaltete Stäfa nach der Führung nicht in den Verwaltungsmodus. Es wurde weiter gepresst, gekämpft, kombinierte, verlagert, gelaufen und den Abschluss gesucht. Nur mit dem zweiten Tor liess man sich etwas Zeit. Ein, zwei gute Gelegenheiten blieben ungenutzt. Küsnacht seinerseits kam genau einmal nennenswert vors Tor. Frei zog aus aussichtsreicher Position ab, verzog aber deutlich. Das war aus Sicht der Heimelf immerhin ein Hinweis darauf, dass auch sie grundsätzlich wussten, wo sich das das gegnerische Tor in ungefähr befand.
Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das Score erhöht würde. Dafür war in der 37. Minute Kelterborn besorgt, der die Flanke Saethres nach einem sehenswerten Angriff per Kopf verwertete. Und dann plötzlich ein Lebenszeichen von Küsnacht. Bei einem der spärlichen Besuche im Strafraum Stäfas dribbelte sich Frei alleine vors Tor und netze kurz vor der Halbzeit kaltblütig ein. Resultatmässig war die Sache damit wieder offen, auch wenn der Spielverlauf etwas anderes erzählte. Würde der Pausentee etwas am Spielgeschehen ändern?
Nein, denn auch in Umgang zwei blieb das Bild das gleiche. Stäfa überlegen, Küsnacht im Angriff meistens harm- und ideenlos. Fairerweise muss man erwähnen, dass die Heimelf nicht weniger als 4 B-Junioren im Aufgebot hatte. Eine solche Kadersituation ist bei dieser Tabellensituation nicht hilfreich.
Und so verlief die Partie nach den herkömmlichen Gesetzen des Amateurfussballs. Bei Feldüberlegenheit fallen dann irgendwann die Tore. Das 3:1 besorgte Lederer kurz nach Wiederanpfiff mit einem feinen Freistoss von der Strafraumgrenze, nachdem Kelterborn unsanft gefoult wurde. Die in der Pause allenfalls aufkeimende Hoffnung von Küsnacht wurde damit rasch wieder zu Nichte gemacht. Denkste. Al Abbadie verkürzte kurz darauf auf 2:3, wobei die Gäste durch aktives Vertrödeln und Vertändeln grosszügig Unterstützung leisteten. Man könnte auch sagen, die Gäste wollten durch dieses Tor testen, ob sich ein längst kontrolliertes Spiel mit etwas unnötiger Grosszügigkeit nochmals künstlich beleben lässt. Immerhin blieb es bei diesem kleinen Anflug von Nachlässigkeit und nicht bei einer wirklichen Aufholjagd.
Den vierten Stäfner Treffer besorgte Eichenberger, Kohler und ein nicht genau definierbares Küsnachter Verteidigungskollektiv inkl. Torwart nach einem Lederer Corner gemeinsam. Sozusagen freundeidgenössisch solidarisch. Genaueres zum Torschützen war trotz vorhandenem Fotomaterial nicht mehr zu erfahren. Gerüchterweise soll Kohler, mindestens gedanklich, am nächsten beim Ball gewesen sein. Den Schlusspunkt setze Debütant Hilfiker. Kurz zuvor eingewechselt zimmerte er eine Flanke Widmers mutig und direkt zum 5:2 Schlussresultat ins lange Eck.
So stellt man sich ein Debüt vor. Reinkommen, abschliessen, jubeln, fertig, duschen gehen.
Fazit: Guter Auftritt, Pflicht erfüllt. Drei Punkte auf dem Frohberg. Nicht mehr und nicht weniger.
Küsnacht: 200 Zuschauer
FC Küsnacht - FC Stäfa 2:5
Tore: 1. Erne 0:1, 37. Kelterborn 0:2, 42. Frei 1:2, 51. Lederer 1:3, 60. Al Abbadie 2:3, 63. Kohler 2:4, 87. Hilfiker 2:5
Stäfa: Thaler, Berger, Eichenberger, Zucco (59. Sommer), Widmer, Erne, Lederer, Kohler (80. Jujic), Texeira, Kelterborn (65. Carvalho), Saethtre (84. Hilfiker)
Bemerkungen: Debüt von Hilfiker und Jujic in der 1. Mannschaft
Stäfa ohne: Ruckstuhl, Rasonyi (abwesend), Revel, Reichling, Schmitt, Krammer, Wetter, Wymann, Pfammatter, Brecher, Boos, (alle krank oder rekonvaleszent)
(mk)